Spenden.De-Beta online

Spenden.De - Beta - StartseiteAb sofort ist die Beta-Version des neuen Spenden.De-Portals unter http://spenden.de zu erreichen. Im Mittelpunkt steht ein Verzeichnis spendensammelnder Organisationen, die hier umfassend über Ihre Arbeit, Struktur und Finanzen berichten und somit um zusätzliches Vertrauen und Spenden werben können.

Bei einer Beta-Version handelt es sich, wie Wikipedia schreibt, um „die ersten Versionen eines Programms, die vom Hersteller zu Testzwecken veröffentlicht werden.“ Dies trifft auch auf die aktuelle Version von Spenden.De zu. Künftig werden wir weitere Funktionen, insbesondere eine Suche sowie eine Online-Spendenmöglichkeit ergänzen (für Feedback und Verbesserungsvorschläge bitte hier klicken). Darüber hinaus planen wir den Umfang und die Darstellung der von den einzelnen Spendenorganisationen bereitgestellten Informationen in den kommenden Monaten zu verbessern.

Neben der Weiterentwicklung der bisher abgefragten Daten zur Art der Tätigkeit, Struktur und Finanzen wollen wir aber auch das Thema Wirkung künftig stärker in den Mittelpunkt rücken. Hier werden wir uns an dem unserer Einschätzung nach vielversprechendsten Ansatz in diesem Bereich orientieren, dem Social Reporting Standard (SRS). Dabei handelt es sich um ein Gemeinschaftsprojekt verschiedener Akteure aus dem sozialen Sektor sowie aus Wissenschaft und Wirtschaft (es handelt sich um ein Gemeinschaftsprojekt von Ashoka, auridis, BonVenture, Universität Hamburg, Phineo, PwC, Schwab Foundation, TU München und Spenden.De).

Die Ziele dieser Initiative lassen sich wie folgt zusammenfassen:

Wir erhoffen uns von der Nutzung und Weiterentwicklung des Standards eine stärker wirkungsorientierte Berichterstattung und damit einen Lernprozess im Sozialsektor. Der Standard spricht keine Bewertung oder Empfehlung für oder gegen ein Projekt oder eine Organisation aus. Vielmehr ist das Berichten nach dieser Systematik eine Grundlage für soziale Organisationen, sich selbst weiter zu entwickeln – und für Spender und Investoren ein Nachweis der Wirkung ihres eigenen Engagements.

Bereits jetzt gibt es zwischen dem SRS und dem Ansatz von Spenden.De eine grundlegende Gemeinsamkeit: Beide setzen auf Informationen, die von gemeinnützigen Organisationen auf Basis freiwilliger Selbstauskunft zur Verfügung gestellt werden.

Um diese zu generieren, aufzubereiten und öffentlichkeitswirksam darzustellen, bieten sich die Möglichkeiten einer webbasierten Lösung, wie die von Spenden.De, besonders gut an. Gepaart mit der zentralen Domain http://spenden.de sowie der Erfahrung unserer Dachorganisation gut.org bei der Entwicklung sozialer Internetplattformen, sehen wir eine große Chance dem SRS zu zusätzlicher Verbreitung zu verhelfen und so einen echten Mehrwert für den Sozialsektor zu erzeugen.

Aus diesem Grund werden wir in den nächsten Monaten mit Unterstützung unserer Partner aus dem Arbeitskreis des SRS Lösungen entwickeln, wie die Ansätze dieses Standards bestmöglich in den Spenden.De-Berichtsrahmen integriert werden können.

Dabei freuen wir uns selbstverständlich über jegliche Unterstützung, sind aber genauso an allgemeinem Feedback und Verbesserungsvorschlägen zur aktuellen Beta-Version von Spenden.De interessiert.

Informiert spenden: Testen Sie mit 6 Fragen Ihr Spendenwissen!

Weihnachtszeit ist Spendenzeit. Doch verfügen Sie über das notwendige Wissen, um eine informierte Entscheidung zu treffen, wem Sie Ihr Geld anvertrauen? Testen Sie hier Ihr Wissen und seien Sie dieses Jahr sicher, dass Ihre Spende wirklich die Wirkung entfaltet, die Sie beabsichtigt haben.

Welche der folgenden Aussage ist richtig, welche falsch?

1. Die besten Hilfsorganisationen haben die niedrigsten Verwaltungskosten!

Falsch! Wie bei kommerziellen Produkten oder Dienstleistungen sagt die Höhe der Verwaltungskosten auch bei Spendenorganisationen nichts über deren Qualität aus. Wer würde denn seine Entscheidung über einen Haarschnitt, die richtige Pizzeria oder das passende Handy von den internen Verwaltungskosten des Anbieters abhängig machen? Professionelle und nachhaltige Hilfe benötigt eine entsprechende Verwaltung, um sicher zu stellen, dass die Spenden dort ankommen, wo sie am Meisten bewirken. Zu niedrige Verwaltungskosten können sogar ein Indiz für fehlende Kontrolle sein. Dies erhöht die Gefahr, dass Spendengelder missbraucht werden. Abgesehen davon ist auch die Erhebung von Verwaltungskosten nicht organisationsübergreifend standardisiert, daher lassen sich entsprechende Zahlen in der Regel ohnehin nicht vergleichen. Wer kann schon nachprüfen, ob das Gehalt des Geschäftsführers zu 50% oder doch zu 100% den Verwaltungskosten zugeschlagen werden sollte? Generell gilt: Solange Sie Ihre Kaufentscheidung in anderen Lebensbereichen nicht von der Höhe der Verwaltungskosten abhängig machen, sollten Sie dies auch beim Spenden nicht tun.

2. Ich spende mein Geld am Besten immer zweckgebunden, damit ich weiß, dass meine Spende auch zu 100% dort ankommt, wo sie am Meisten gebraucht wird.

Falsch! Die Motivation für eine Zweckbindung besteht oftmals darin verhindern zu wollen, dass auch nur ein Cent in die Verwaltungskosten fließt. Dies macht aus den in Frage 1 erläuterten Gründen wenig Sinn. Ein weiterer Grund, der gegen eine Zweckbindung spricht, ist der, dass man als Außenstehender oftmals nicht wirklich beurteilen kann, wo das Geld am Sinnvollsten eingesetzt werden kann. Besonders eklatant ist dieses Problem im Rahmen der Tsunami-Katastrophe 2004 zu Tage getreten. Damals wurden zum Teil Notunterkünfte und Waisenhäuser gebaut von denen eine große Zahl bis heute nicht genutzt wird. Gleichzeitig konnten Hilfsprojekte in anderen Ländern aufgrund fehlender Spenden nicht, wie geplant, umgesetzt werden. Die Organisation Ärzte ohne Grenzen hat aus diesem Grund sogar nachträglich ihre Spender gebeten, die Zweckbindung wieder aufzuheben. Aber selbst für kleine oder lokale Projekte macht eine Zweckbindung in der Regel wenig Sinn, da so nicht flexibel auf Veränderungen vor Ort reagiert werden kann. Was nützt eine zweckgebundene Spende für neue Schreibtische, wenn kein Geld für die in der Zwischenzeit zu Bruch gegangenen Fenster der Schule da ist? Was nützen an den Erwerb von Moskitonetzen gebundene Spenden, wenn das Finanzamt droht, die Gemeinnützigkeit abzuerkennen, da kein Steuerberater bezahlt werden kann, der bei der Erstellung des ordentlichen Jahresabschlusses behilflich ist. Generell gilt: Wenn Sie einer Hilfsorganisation vertrauen, dann versehen Sie Ihre Spende nicht mit einer Zweckbindung. Wenn Sie einer Organisation nicht vertrauen, spenden Sie nicht!

3. Kleider- und Medikamentenspenden sind eine tolle Spendenform. Sie helfen den Menschen konkret vor Ort und übergeben die Dinge, die man sonst wahrscheinlich weggeworfen hätten, einer nachhaltigen Nutzung!

Falsch! Zumindest im Rahmen internationaler Katastrophenhilfe ist es in den meisten Fällen deutlich günstiger die benötigten Produkte vor Ort zu kaufen, als sie in Deutschland zu sammeln, zu sortieren und dann zu verschiffen. Auch kann so vermieden werden, dass Sachen, die für lokale Umstände ohnehin ungeeignet sind, kostbaren Transport- und Stauraum wegnehmen. Eine weitere Gefahr besteht darin, dass durch den Import kostenloser Sachspenden lokale Märkte zerstört werden. Wenn Medienecho und Spendenbereitschaft für die entsprechende Region abgeklungen sind, kann es sein, dass die Versorgungslage noch prekärer wird. Hätte man statt dessen die Güter im Land selbst gekauft, wären die dort ansässigen Händler und Produzenten unterstützt worden – so wird ihnen Konkurrenz gemacht. Generell gilt: Fragen Sie auf jeden Fall bei der jeweiligen Hilfsorganisation nach, bevor Sie eine Sachspende in Erwägung ziehen, ob diese überhaupt Sinn macht. Insbesondere bei internationalen Hilfswerken ist dies oft nicht der Fall. Eine Alternative wäre z.B., die Dinge zu verkaufen und den erzielten Betrag zu spenden.

4. Spenden für Bau und Betrieb von Waisenhäusern sind besonders sinnvoll, da man so in die Zukunft von ansonsten schutzlosen Kindern investiert!

Falsch! Spenden für schutzlose Kinder sind ohne Frage eine unterstützenswerte Sache. Doch diese Spenden sollten in Regel nicht in Waisenhäuser investiert werden. Zum einen, da es sich um eine der kostintensivsten Formen der Hilfe handelt, zum anderen, da der eigentliche Bedarf an Waisenhäusern oft schon jetzt viel kleiner ist als das Angebot. Beispielsweise haben laut einer Untersuchung von UNICEF in Sierra Leone von 1.821 Kindern, die in Waisenhäusern leben, nur 256 wirklich beide Elternteile verloren. Außerdem gibt es in der Regel noch andere lebende Familienangehörige die oftmals nur zu arm sind sich um die Kinder zu kümmern und sie deshalb in Waisenhäuser geben. Der Fokus sollte also ganz klar darauf liegen, die Familien wieder zusammenzuführen und sie dabei zu unterstützen, selbst für die Kinder zu sorgen. Prominentes Beispiel hier ist übrigens Madonna, die ein Kind aus einem Waisenhaus adoptiert hat, obwohl dessen Vater und dessen Großmutter noch am Leben sind. Einer der Gründe für diese Situation ist, dass sich Spenden für Waisenhäuser verhältnismäßig leicht einwerben lassen und Waisenhäuser den Kindern zum Teil wirklich ein materiell besseres Leben bieten, als es der eigenen Familie ohne Hilfe möglich wäre. Generell gilt: Achten Sie beim Spenden darauf, dass in jedem Fall nicht nur ein Kind unterstützt wird sondern zumindest die gesamte Familie. Im Idealfall verzichten Sie aber wie oben beschrieben gänzlich auf eine Zweckbindung.

5. Deutschland ist Spendenweltmeister!

Falsch! Obwohl diese Behauptung immer wieder zu lesen ist und sich in Deutschland ohne Frage viele Menschen großzügig für gemeinnützige Zwecke einsetzen, kann leider keine Rede davon sein, dass wir Spendenweltmeister sind. Um in der Analogie des Fußballs zu bleiben, müssen wir zunächst einmal eingestehen, dass wir noch nicht einmal wissen, wie viele Tore wir im Jahr überhaupt schießen, wie hoch also das jährliche Spendenvolumen in Deutschland ist. Während die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) diesen Betrag auf etwa zwei Milliarden € schätzt, geht beispielsweise das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) von einem jährlichen Spendenvolumen von über vier Milliarden € aus. Genau wie bei der Frage, wie viele Organisationen in Deutschland überhaupt Spenden sammeln, kann hier übrigens auch die Bundesregierung nicht mit exakten Zahlen aufwarten, rät aber nichtsdestotrotz fleißig mit.
So oder so kommt man, selbst wenn man von der Höchstschätzung ausgeht, zu dem Ergebnis, dass das Spendenvolumen für nichtreligiöse Zwecke pro Kopf in den USA mehr als neun Mal so hoch liegt wie in Deutschland. Selbst wenn man die Kirchensteuern einrechnet (und die Spenden für religiöse Zwecke in den USA) sind die Pro-Kopf-Spenden im Land der unbegrenzten Möglichkeiten noch immer mehr als vier Mal so hoch wie in Deutschland. Leider reicht es auch nicht zur Europameisterschaft, denn in Österreich, Holland, Großbritannien, Dänemark, Schweden, Slowenien, Irland (noch?) und Norwegen liegt die Spenderquote ebenfalls höher als in Deutschland. Generell gilt: Wenn Sie wollen, dass wir Spendenweltmeister werden, dann überweisen Sie diese Weihnachten doch einen besonders großzügigen Betrag an eine soziale Einrichtung über die Sie sich zuvor intensiv informiert haben.

6. Wenn ich in Deutschland spende, kontrolliert der Staat, ob das Geld auch dort ankommt, wofür ich gespendet habe.

Falsch! Zwar sind alle vom Finanzamt als gemeinnützig anerkannten Organisationen dazu verpflichten dem Finanzamt gegenüber Rechenschaft abzulegen. Dies ist jedoch in der Regel nicht mit einer wirklichen Prüfung verbunden. Besuche vor Ort, insbesondere bei internationalen Hilfswerken, finden praktisch nicht statt. Auch die Wirksamkeit der einzelnen Maßnahmen wird nicht bewertet. Dazu kommt, dass sämtliche Unterlagen, welche dem Finanzamt zur Verfügung gestellt werden, dem Steuergeheimnis unterliegen und nicht öffentlich zugänglich sind. Eine Kontrolle seitens der Öffentlichkeit ist somit nicht möglich. Generell gilt: Prüfen Sie selbst. Fragen Sie bei Organisationen, bevor Sie diese mit einer Spende bedenken, nach einem Geschäftsbericht oder – noch besser – nach unabhängigen Evaluationen ihrer Arbeit.

Und, wie haben Sie abgeschnitten? Lagen Sie bei mehr als drei Fragen daneben? Wenn ja, dann würden wir uns freuen Sie für die Lektüre weiterer Artikeln unseres Spenden-Ratgebers gewinnen zu können. Sollten Sie kein Problem mit der englischen Sprache haben, empfehlen wir insbesondere das Interview mit US-Spendenexpertin Saundra Schimmelpfennig. Auch die Spendenregeln der gemeinnützigen Phineo AG oder die Spendentipps des DZI bieten zusätzliche Informationen.

Sollten Sie weitere Fragen haben oder mit unseren Empfehlungen so gar nicht einverstanden sein, freuen wir uns über einen Kommentar. Gerne können Sie sich aber auch hier mit uns Kontakt aufnehmen.

Charity Navigator 2.0 – Bewertung jenseits der Verwaltungskosten

Charity Navigator ist die weltweit bekannteste Rating-Plattform von gemeinnützigen Organisationen. Das Angebot beschränkt sich dabei wie so oft auf die USA. Aktuell werden dort über 5.000 Organisationen anhand ihrer Finanzkennzahlen bewertet und mit bis zu vier Sternen ausgezeichnet. Neben zahlreichen Presseerwähnungen, belegen die jährlich mehr als vier Millionen Besucher der Webseite, dass das Angebot auf breites Interesse stößt.

Trotz dieser Beliebtheit stand Charity Navigator in den letzten Jahren immer wieder in Kritik. Insbesondere an dem starken Fokus auf die Verwaltungskosten wurde Anstoß genommen, da diese über keinerlei Aussagekraft bezüglich der tatsächlichen Wirkung einer Organisation verfügen würden. Durch einen Wechsel an der Spitze von Charity Navigator sieht man das dort inzwischen ähnlich. Beispielhaft für den Sinneswandel ist die Unterzeichnung der Erklärung “The Worst (and Best) Way to Pick A Charity This Year” (“Die schlechteste (und beste) Art dieses Jahr eine gemeinnützige Organsation auszuwählen”) durch den sich seit 2008 im Amt befindlichen Chef von Charity Navigator, Ken Berger. Dort ist wörtlich zu lesen, dass die Verwaltungskosten oder die Höhe des Geschäftsführergehalts nutzlos sind, wenn es darum geht die Qualität von Spendenorganisationen zu beurteilen.

Inzwischen lässt Berger diesen Worten Taten folgen und präsentierte auf der Social Capital Markets Konferenz den Prototypen eines neuen Bewertungssystems für Charity Navigator. In dieses sollen finanzielle Kennzahlen nur noch zu 33 % einfließen, weitere 17 % der Bewertung soll sich auf Transparenz und Rechenschaftspflichten beziehen und stolze 50 % auf Effektivität und Resultate. Letzteres bringt natürlich die Schwierigkeit mit, dass sich die Wirkung oftmals nur schwer messen lässt, daher soll diese Stufe auch als letzte implementiert werden und sich an den folgenden sechs Fragen orientieren:

1. Wie sieht das Bekenntnis der Organisation bezüglich der Berichterstattung von Resultaten aus?
2. Wie weist die Organisation den Bedarf für ihre Angebote nach?
3. Berichtet die Organisation über die erbrachten Maßnahmen (was sie tut)?
4. Berichtet die Organisation über die Ergebnisse ihrer Arbeit (definiert als die identifizierbaren Unterschiede, welche sie durch ihre Arbeit verursacht)?
5. Wie hoch ist die Qualität der Belege für die berichteten Resultate?
6. Nimmt die Organisationen, basierend auf den Resultaten, Anpassungen und Verbesserungen vor?

Dies ist aus meiner Sicht ein Schritt in die richtige Richtung, wobei es für eine abschließende Bewertung die Details abzuwarten gilt. So oder so sind die Neuerungen bei Charity Navigator auf jeden Fall eine Anregung für Spenden.De. Selbst wenn wir nicht planen eigenständig Organisationen zu evaluieren, kann der neue Berichtsrahmen von Charity Navigator als Inspiration für spannende Fragen dienen, welche man Spendenorganisationen stellen kann und wie man Anreize dafür schafft, dass diese auch aussagekräftig und öffentlich zugänglich beantwortet werden.

Der Wilde Westen – US-Spendenexpertin Saundra Schimmelpfennig im Interview

Im Katastrophenfall suchen sie alle ihren Rat – bis hin zum Weißen Haus. Saundra Schimmelpfennig gilt als eine der führenden Spendenexperten in den USA und ist Betreiberin der Seite Good intentions are not enough. Für uns von Spenden.De Grund genug sie zu interviewen. Sie können das gesamte Gespräch mit den zum Teil amüsanten, zum Teil erschreckenden Insiderberichten aus der Welt der Hilfsorganisationen direkt auf dieser Seite anhören oder als MP3 herunterladen (das Interview wurde in englischer Sprache geführt).

Als kleiner Vorgeschmack hier schon mal einige Zitate.

Bezüglich ihrer Erfahrungen als Koordinatorin für Hilfslieferungen während der Tsunamikatastrophe antwortete Saundra Schimmelpfennig:

Was ich vorfand war im Grunde der Wilde Westen.(Minute: 0:50)

Über das richtige Spenderverhalten:

Wenn man nicht sinnvoll spenden kann, dann sollte man nicht spenden, denn schlechte Spenden können mehr Schaden als Nutzen anrichten..”(Minute 13:20)

Zur Transparenz von Hilfsorganisationen:

Von der Verfügbarkeit von Informationen betrachtet, ist der Hilfssektor ein großes Schwarzes Loch.(Minute 17:36)

Zum Thema Sachspenden wurde u.a. folgende Anekdote zum Besten gegeben:

Wir hatten einen texanischen Senator der in einer muslimischen Gemeinde mit [...] gewürztem Schinken auftauchte und nicht verstehen konnte, warum die Moslems den [...] nicht essen wollten, denn schließlich mag man ihn doch in Texas… (Minute 20:25)

Und zuletzt zum Wunsch der Spender, dass möglichst wenig Geld in Verwaltung und möglichst viel bei den Menschen ankommt, sagte sie:

Ist Dir die Qualität eines Projekts wichtig, oder ist es Dir wichtig, dass das Projekt billig ist? (Minute 40:30)

Vorschau auf das neue Design von Spenden.De

Da die fertige Version von Spenden.De noch auf sich warten lässt, heute ein Ausblick auf das neue Design. Ihre Eindrücke und Kritik in der Kommentarfunktion sind sehr willkommen.

Logo und Claim

Das aktuelle Spenden.De Logo entwarf der Designer Pascal Rubertus. Mit seinem Helvetica-S Entwurf konnte er in einem Wettbewerb Anfang des Jahres die meisten Punkte sammeln. Die Ansprüche waren:

  1. Ein hoher Wiedererkennungswert, der auch in niedriger Auflösung gut sichtbar ist.
  2. Der Gedanke der Transparenz sollte aufgegriffen werden.
  3. Die Farbwahl des Logos sollte das zukünftige Screendesign bereits widerspiegeln.

Das aktuelle einfache, zweidimensionale Logo konnte in den Augen Vieler diese Vorgaben am besten umsetzen. Der Aufklappeffekt am oberen S-Bogen suggeriert ein „Dahinterschauen“, die Farbwahl wirkt frisch genug fürs Internet und besitzt genügend Grautöne um den Informationscharakter der Plattform zu unterstreichen. Das große D wirkt ein wenig irritierend, aber bleibt haften. (Wer weiss, wofür das große D steht? Wir freuen uns auf Ihre Interpretationen in der Kommentarfunktion)

Eine andere Entscheidung bestand in der Wahl eines passenden Claims. Mehrere Versionen standen zur Wahl: „Informiert spenden“,  „Besser spenden“ und „Einfach Spenden“. Mit „Informiert Spenden“ hat sich die Variante durchgesetzt, welche unserer Meinung nach den Charakter der Plattform am besten wiederspiegelt: Umfassende Informationen für die Spender.

Screendesign

Auf Basis der inhaltlichen Vorgaben entwickelte der Berliner Webdesigner Marcus Herrmann das aktuelle Screendesign von Spenden.De. Die Startseite wirkt aufgeräumt und spiegelt die drei zentralen Grundfunktionen der Plattform wieder:

  1. Spenden.De bietet Hintergrundinformationen zu gemeinnützigen Organisationen und die Möglichkeit diese mit einer Spende zu bedenken.
  2. Spendenorganisationen können die Plattform nutzen, um sich transparent darzustellen und so um mehr Vertrauen und zusätzliche Spenden zu werben.
  3. Spenden.De stellt sich vor und erklärt Ziele, Motivation und Hintergründe des Projekts (unserer Meinung nach insbesondere in der Anfangsphase wichtig).

Aktuell testen wir intern die erste Version von Spenden.De, werden aber schon bald auch gemeinnützige Organisationen dazu einladen sich an diesem Test zu beteiligen, um zu den ersten zu gehören, die wir künftig auf der Plattform präsentieren werden.

Haben Sie auch Interesse an einer Vorschau auf das neue Spenden.De? Schicken Sie uns dazu einfach eine kurze Mail an s.stettner@spenden.de.

Spendenvogel-Strauss-Politik

Würden Sie von sich behaupten, dass Sie sich über Organisationen informieren, bevor Sie an diese spenden? Ich tippe Ja, denn laut einer Umfrage der Wirtschafts-Prüfungsgesellschaft PwC 2008 beantworten 70% aller Deutschen diese Frage positiv. Die Ergebnisse einer aktuellen US-amerikanischen Studie von HOPE Consulting legen nun den Verdacht nahe, dass die meisten Menschen bei dieser Frage schummeln.

Dort gaben 85% der Teilnehmer einer repräsentativen Umfrage an, dass Sie bei Hilfsorganisationen den größten Wert auf deren Effektivität legen. Das Problem ist nur: Sie tun es eben nicht. Durch Nachfragen kam zu Licht, dass lediglich 32% der US-Spender sich vor einer Spende über Hilfsorganisationen informieren. Und nur 13% vergleichen dabei unterschiedliche Organisationen. Die Studie schließt mit dem ernüchternden Fazit, dass am Ende lediglich 3% aller US-Spender ihre Entscheidung von der Effektivität der Organisation abhängig machen. Der allergrößte Teil der jährlichen Pro Kopf US-Spenden, nämlich 80 %, wird von dem Spender Jahr für Jahr und ungefragt immer an die gleiche Organisation überwiesen.

Wie kommt es also dazu, dass Menschen in Umfragen die Wirksamkeit von Hilfe betonen, diese Grundsätze aber bei der eigentlichen Spende keine Bedeutung spielen? Der US-amerikanische Blogger und Dozent der Stanford University Tim Ogden sieht hier unsichtbare Kräfte am Werk und behauptet, dass die meisten US-Spender gedanklich am idyllischen „Lake Wobegon“ leben. „Lake Wobegon“ ist eine Kategorie der Werbepsychologie und beschreibt einen imaginären Ort der Selbstwahrnehmung, wo im Gegensatz zum Ist-Zustand alles schön, gut und harmonisch ist. Übersetzt auf das Beispiel des Spendens heißt das: Der normale Spender weiß zwar, dass es Veruntreuung und Uneffizienz bei Hilfsorganisationen gibt, ist aber geneigt zu glauben, dass die von ihm dauerhaft unterstützte Organisation überdurchschnittlich viel Gutes tut und sehr effektiv ist – ohne dies jemals überprüft zu haben.

Es gibt keine Gründe zu glauben, dass deutsche Spender nicht auch eine Parzelle am Lake Wobegon besitzen – oder um in einem deutschen Bild zu bleiben – eine Vogel-Strauß-Politik praktizieren. Auch die Verfasser der erwähnten Studie von PWC gestehen ein, dass die Aussagen der Befragten mehr die soziale Erwünschtheit als ihr eigenes Tun ausdrücken könnten. Dass die meisten deutschen Spendenstatistiken auf Umfragen basieren, macht den obigen Befund gar noch beunruhigender.

Aber welche Schlussfolgerung kann man für den deutschen Spendenmarkt ziehen?

Zum einem, dass der Spendenmarkt weit weniger dynamisch ist als viele glauben mögen. Folgt man den Ergebnissen der Studie des US-Markts stehen höchstens 20% der jährlichen Spendengelder dem Wettbewerb gemeinnütziger Organisationen zur Verfügung.

Und zweites: Will man Spender zu einem verantwortungsvolleren Handeln gegenüber Hilfsbedürftigen und dementsprechend zu informierteren Spendenentscheidungen bewegen, bedarf es neben gezielter Aufklärung auch mehr Angebote, die Spendern einen Vergleich von Organisationen ermöglichen. Hier bieten sich besonders unabhängige Plattformen wie betterplace, PHINEO oder Spenden.De an.

Welche Schlüsse ziehen Sie?

Meine Flügel testen? Dann hätte ich ja weniger Zeit zum Fliegen!

Dieser Beitrag ist Teil der Gastbeitrags-Reihe von GiveWell, einer in New York ansässigen Evaluierungsorganisation von gemeinnützigen Organisationen. Der englischsprachige Originaltext wurde von Holden Karnofsky verfasst und erschien am 20. März 2007.

Den Erfolg von Hilfsprojekten zu messen ist schwierig. Das Unterfangen hat viele Probleme, vor allem aber ist es zeitaufwendig und teuer. Aber es muss gemacht werden.

Zum einem sei gesagt, dass egal wie viel Sinn eine Idee zunächst macht, die Umsetzung in die Wirklichkeit immer eine andere Sache ist. Ich würde aber behaupten, dass das Akzeptieren dieser grundlegenden Annahme die Voraussetzung war, dass die Menschheit heute über medizinische Alternativen zum Gebet verfügt.

Zum anderen gibt es sehr viele unterschiedliche Hilfsorganisationen, zwischen denen ein Spender heute wählen kann. Ohne eine Idee von dem zu haben, was diese Organisationen wirklich erreicht haben, hat ein Spender nichts auf das er sich stützen kann- außer Theorien und Broschüren. Aus meiner Sicht ist das nicht viel besser, als das Geld wahllos über den Globus auszuschütten und an alle zu verteilen, die eine gute Geschichte und einen guten Buchhalter haben. Das ist kein vernünftiger Ansatz um die Probleme der Welt zu lösen.

Wie man die Aktivitäten einer Wohltätigkeitsorganisation evaluiert, ist heute aber nicht meine Frage, sondern, warum es nicht sorgfältiger und häufiger gemacht wird. Die heutige Antwort ist, dass die Geldgeber dafür nicht zahlen wollen (auch wenn es noch weitere Gründe dafür gibt).

Die Children’s Aid Society teilte uns ausdrücklich mit, dass sie um die Reaktionen der Geldgeber auf die Größe des Evaluations-Budgets besorgt sei, da diese dem „Menschen helfen“ gegenüber stünden. So seien sie nicht in der Lage gewesen, eine geplante Evaluation für ein wichtiges Gemeinschafts-Schulprojekt durchzuführen, da es das vorgesehene „Evaluationsbudget“ ihres Etats überstieg. Wir fragten New Visions for Public Schools, warum sie nicht dasselbe Problem haben. Dort antwortete man uns, dass sie das Problem hatten, aber dass sie den Kampf für ein größeres Evaluationsbudget zu einer ihrer Prioritäten gemacht haben.

Auf die Frage, warum nicht evaluiert wurde, antworteten Wohltätigkeitsorganisation immer wieder, dass ihre Geldgeber dies nicht wünschen. Viele ihrer Geldmittel sind offiziell an Nicht-Evaluations Zwecke gebunden und selbst wenn nicht, sind die Organisationen besorgt, dass ihre Finanziers wollen, „dass das Geld direkt und zu 100% bei den Menschen ankommt, die es brauchen“.

Du und ich haben Glück, dass Menschen, die Brücken, Autos und Flugzeuge für uns bauen, nicht beschließen, plötzlich mehr Geld direkt für uns auszugeben, indem sie das Test-Budget kürzen. Die Menschen, die von Hilfsorganisationen betreut werden, sollten genau so viel Glück haben.

Wenn Äpfel besser als Birnen sind

Dieser Beitrag ist Teil der Gastbeitrags-Reihe von GiveWell, einer in New York ansässigen Evaluierungsorganisation von gemeinnützigen Organisationen. Der englischsprachige Originaltext wurde von Elie Hassenfeld verfasst und erschien am 19 Dezember 2007.

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Vor 6 Monaten versprach GiveWell 25.000 US Dollar der jeweils besten Organisation zu übergeben, die wir für jede von unseren 5 unterschiedlichen Projektzielen ausfindig machen. Wir halten an diesem Versprechen fest, aber ich wünschte, wir würden es nicht tun.

Wir können nachvollziehen, dass Spender unseren Empfehlungen mehr vertrauen, wenn wir Organisationen mit ähnlichen Zielen vergleichen, statt beispielsweise den Wert der Rettung eines Kinderlebens in Afrika mit besseren Bildungschancen in New York. Deswegen haben wir die Organisationen nach ihren verschieden Projektzielen eingeteilt, um jedem Projekt einer Kategorie eine Unterstützung zu ermöglichen.

Aber nach allem, was ich über Organisationen erfahren habe, die sich für besser bezahlte Arbeit in New York einsetzen und denen, die Leben in Afrika retten, würde ich persönlich keinem unserer Bewerber im Bereich „Besser bezahlte Arbeit“ spenden. Stattdessen würde ich mich für Population Services International entscheiden, unserer Wahl Nummer 1 in der Kategorie Rettung von Leben in Afrika.

Dafür habe ich zwei Gründe: 1. Die relativen Kosten der Programme und 2. Die zu Grunde liegende Logik der Programme

1. Die relativen Kosten: Die Organisationen, die wir empfehlen – und in die wir das meiste Vertrauen haben – investieren 10.000 bis 50.000 $, für die finanzielle Unabhängigkeit einer arbeitslosen oder geringbeschäftigten Person. Wenn ich 50.000$ an Population Services International spende, kann ich davon ausgehen, dass davon mindestens 50 Leben in Afrika gerettet werden.

Es gibt überzeugende Gründe, sich für die Verbesserung des Lebens von Menschen in den entwickelten Ländern einzusetzen. Es ist wertvoll, einem Menschen „über den Berg“ zu helfen, der ihn daran hindert ein völlig freies oder glückliches Leben zu führen. Und unsere „gerettete Leben in Afrika“- Kategorie ist natürlich eine Verallgemeinerung, die vieles beiseite lässt. Aber trotzdem spielen die Projekte meiner Meinung nach nicht in der „gleichen Liga“. Ich denke, dass der Unterschied an Menschen, denen geholfen wird (10-50:1), einfach zu groß ist.

2. Die zugrunde liegende Logik der Ansätze: Ich finde die Logik der Hilfe unverständlich, die hinter den Beschäftigungshilfe-Initiativen steht. Was genau brauchen ihre Klienten um Arbeit zu finden? Ist es das Fehlen einiger grundlegender sozialer Kompetenzen (Bewerbungen schreiben, Tipps für Vorstellungsgespräche). Oder brauchen sie spezielle berufliche Fähigkeiten (wie Computertechnik, Computeradministration etc.)? Wir haben uns gefragt ob es sinnvoller ist Job-Trainings durchzuführen, oder den Menschen einfach Geld zu geben um ihre grundlegenden Bedürfnisse zu befriedigen bzw. ihnen die entsprechenden Güter direkt zur Verfügung zu stellen. In Afrika kann ich die Logik der Hilfe viel besser verstehen (zum Beispiel Insektizid getränkte Netze zu verkaufen, die Mücken davon abhalten Kinder zu stechen und so die Ausbreitung von Malaria zu einzudämmen).

Ich bin zu der Überzeugung gelangt, dass eine Spende entweder einen gewaltigen Unterschied für das Leben vieler Menschen, oder einen eventuellen Unterschied in dem Leben eines Menschen machen kann.

Unser Ziel bei GiveWell ist es, Spendern zu helfen, hochwertige Wohltätigkeitsorganisation zu finden, indem wir die besten Organisationen für jeweilige Anliegen ausfindig machen (indem wir Äpfel mit Äpfeln vergleichen). Es ist nicht unser Anliegen, das Projektziel für sie auszuwählen, da die Wahl zwischen Äpfeln und Birnen häufig auf persönlichen Vorlieben beruht. Aber wir hoffen, dass indem wir den Spendern verdeutlichen, was ihr Geld bewirkt, sich diese Erkenntnis auch auf die Wahl ihres Projektanliegens auswirkt. Um sehr verallgemeinernd zu sprechen: Stell Dir vor, Du hättest die Wahl entweder für 25.000 US Dollar 25 Menschenleben in Afrika zu retten, oder einer Person einen besseren Job in New York City zu verschaffen. Ich wüsste, wie ich mich entscheiden würde. Und Du?

Das Kosten-Nutzen-Verhältnis von Katastrophenhilfe: Eine kritische Betrachtung

Nachdem wir in der letzten Woche ja bereits 5 Gründe oder meiner Meinung nach faule Ausreden aufgeführt haben, warum Menschen nicht für die Flutopfer in Pakistan spenden, will ich heute auf einige ernstzunehmendere Bedenken eingehen. Dabei geht es mir nicht speziell um Pakistan, sondern um Not- und Katastrophenhilfe generell.

So geht das Weltbankbuch Disease Control Priorities in Developing Countries [Krankheitsbekämpfungsprioritäten in Entwicklungsländern] sehr kritisch mit dem Kosten-Nutzen-Verhältnis derartiger Maßnahmen ins Gericht (S. 1156 ff.) und führt zahlreiche Beispiele an, in denen für viel Geld, wenig erreicht wurde. Eines beschreibt Rettungsmaßnahmen im Zusammenhang mit dem Erbeben in Bam, durch welches 2003 mehr als 30.000 Menschen gestorben sind (S. 1157):

Die internationale Gemeinschaft hat ungefähr 10,5 Mio. US$ für die Errichtung von etwa 10 mobile Kliniken ausgegeben welche zwischen 2 und 5 Tagen nach dem Beben angekommen sind, lange nachdem die letzten Opfer in andere iranische Provinzen evakuiert wurden (…) Im Fall von Bam, Iran, wurden die Kosten für den Wiederaufbau sämtlicher primärer und sekundärer Gesundheitseinrichtungen sowie der Lehranstalten von der iranischen Regierung auf 10,75 Mio. US$ geschätzt, ein Betrag, der dem, welcher von der internationalen Gemeinschaft für die Errichtung von mobilen Kliniken ausgegeben wurde, sehr ähnelt.

Wie eng das Zeitfenster für effektive Nothilfe sein kann, wird auch an anderer Stelle mit Bezug auf die Tsunami-Katastrophe in Südostasien verdeutlicht (S. 1153):

Das Zeitfenster um Leben zu retten ist deutlich kleiner als sich Hilfsorganisationen eingestehen. Innerhalb weniger Wochen, wenn nicht Tage, schwenkt die Sorge sowohl der Bevölkerung, als auch der Behörden von Such- und Rettungsaktionen (…) zur Wiederherstellung der Infrastruktur (…) Nach dem Tsunami in 2004 waren die Opfer in Banda Aceh, Indonesien, darauf aus zur Normalität zurückzukehren, während externe medizinische Nothelfer noch immer in großer Zahl ankamen.

Ein weiteres Beispiel bezieht sich auf das Erdbeben von Spitak, welchem 1988 über 25.000 Menschen zum Opfer fielen (S. 1157):

Nach dem Erdbeben 1988 in der ehemaligen Sowjetrepublik Armenien, konnte eine US-amerikanischer Such- und Rettungstrupps bei Kosten von über 500.000 US$ lediglich 2 Opfer lebend bergen.

Insofern kann ich mich dem in besagtem Buch zu findenden nachdenklichen Kommentar nur anschließen (S. 1156):

Die Bereitschaft hunderttausende Dollar pro Opfer auszugeben, welches in einem fremden Land aus einem eingestürzten Haus gerettet wird, ist eine Auszeichnung für die Solidarität der internationalen Gemeinschaft, aber es beinhaltet auch ein ethisches Problem, wenn sich der Fokus der Aufmerksamkeit wieder verschiebt und selbst verhältnismäßig geringe Summen für das mittelfristige Überleben von zehntausenden Opfern nicht mehr zur Verfügung stehen.

Diese Ausführungen sollen jedoch bitte nicht dahingehend interpretiert werden, dass man aktuelle wie künftige Katastrophen nicht mehr zum Anlass für eine Spende nehmen soll. Vielmehr ist es als Aufforderung zu verstehen, dass man auch hier genau hinschaut, bevor man sich entscheidet, welcher Organisation man sein Geld anvertraut. Anstatt sich von abenteuerlichen Fernsehbildern oder allzu dringlich erscheinenden Spendenaufrufen beeindrucken zu lassen, sollte man lieber darauf achten, dass die Organisation bereits vor der Katastrophe vor Ort tätig war. Auch auf eine Zweckbindung seiner Spende sollte man wenn möglich verzichten, damit die Organisation überhaupt die Möglichkeit hat flexibel auf die Anforderungen des Landes zu reagieren und auch in die oftmals wirksameren, langfristigen Wiederaufbauprojekte zu investieren. Je nach Informationsgehalt der Webseite oder Broschüren kann es sich natürlich auch lohnen konkret nachzufragen, wie denn genau geholfen wird.

Pakistanflut 2010 und Elbhochwasser 2002 im Vergleich

Aufgrund der aktuellen Pakistan-Flut erinnern sich viele Menschen an das Elbhochwasser 2002. Als größter Katastrophenschutz-Einsatz in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland löste dieses Ereignis eine große innerdeutsche Solidarität aus. Eine aktuelle Schadensbilanz der UNO-Behörde OCHA zu der Flutkatastrophe in Pakistan zeigt, dass die Dimension der Flutkatastrophe in Pakistan das Jahrhundert-Hochwasser der Elbe geschätzt um den Faktor 50 übersteigt:

Pakistan-Flut-Katastrophe

Pakistan-Flut-Katastrophe

Zu den Zahlen:

Pakistan-Flut 2010

Tote: 1431
Betroffene Menschen: 15.402.090
Schadenssumme: ???

Elbhochwasser 2002

21 Tote
Betroffene Menschen: 337.000
Schadenssumme: 22.600.000.000 Euro

Da der Indus eine Länge von über 3.000 km besitzt und fast im gesamten Flussverlauf Überschwemmungen stattfinden, kann man sich das operative Krisengebiet auf eine Länge von Berlin nach Madrid vorstellen. Die Übersichtskarte zeigt zudem die Gebiete, die am stärksten betroffen sind: Die meisten Totesfälle geschahen im schnell fliessenden Oberlauf des Indus, während die größten materiellen Schäden im Mittel- und Unterlauf stattfinden.