Charity Navigator 2.0 – Bewertung jenseits der Verwaltungskosten

Charity Navigator ist die weltweit bekannteste Rating-Plattform von gemeinnützigen Organisationen. Das Angebot beschränkt sich dabei wie so oft auf die USA. Aktuell werden dort über 5.000 Organisationen anhand ihrer Finanzkennzahlen bewertet und mit bis zu vier Sternen ausgezeichnet. Neben zahlreichen Presseerwähnungen, belegen die jährlich mehr als vier Millionen Besucher der Webseite, dass das Angebot auf breites Interesse stößt.

Trotz dieser Beliebtheit stand Charity Navigator in den letzten Jahren immer wieder in Kritik. Insbesondere an dem starken Fokus auf die Verwaltungskosten wurde Anstoß genommen, da diese über keinerlei Aussagekraft bezüglich der tatsächlichen Wirkung einer Organisation verfügen würden. Durch einen Wechsel an der Spitze von Charity Navigator sieht man das dort inzwischen ähnlich. Beispielhaft für den Sinneswandel ist die Unterzeichnung der Erklärung “The Worst (and Best) Way to Pick A Charity This Year” (“Die schlechteste (und beste) Art dieses Jahr eine gemeinnützige Organsation auszuwählen”) durch den sich seit 2008 im Amt befindlichen Chef von Charity Navigator, Ken Berger. Dort ist wörtlich zu lesen, dass die Verwaltungskosten oder die Höhe des Geschäftsführergehalts nutzlos sind, wenn es darum geht die Qualität von Spendenorganisationen zu beurteilen.

Inzwischen lässt Berger diesen Worten Taten folgen und präsentierte auf der Social Capital Markets Konferenz den Prototypen eines neuen Bewertungssystems für Charity Navigator. In dieses sollen finanzielle Kennzahlen nur noch zu 33 % einfließen, weitere 17 % der Bewertung soll sich auf Transparenz und Rechenschaftspflichten beziehen und stolze 50 % auf Effektivität und Resultate. Letzteres bringt natürlich die Schwierigkeit mit, dass sich die Wirkung oftmals nur schwer messen lässt, daher soll diese Stufe auch als letzte implementiert werden und sich an den folgenden sechs Fragen orientieren:

1. Wie sieht das Bekenntnis der Organisation bezüglich der Berichterstattung von Resultaten aus?
2. Wie weist die Organisation den Bedarf für ihre Angebote nach?
3. Berichtet die Organisation über die erbrachten Maßnahmen (was sie tut)?
4. Berichtet die Organisation über die Ergebnisse ihrer Arbeit (definiert als die identifizierbaren Unterschiede, welche sie durch ihre Arbeit verursacht)?
5. Wie hoch ist die Qualität der Belege für die berichteten Resultate?
6. Nimmt die Organisationen, basierend auf den Resultaten, Anpassungen und Verbesserungen vor?

Dies ist aus meiner Sicht ein Schritt in die richtige Richtung, wobei es für eine abschließende Bewertung die Details abzuwarten gilt. So oder so sind die Neuerungen bei Charity Navigator auf jeden Fall eine Anregung für Spenden.De. Selbst wenn wir nicht planen eigenständig Organisationen zu evaluieren, kann der neue Berichtsrahmen von Charity Navigator als Inspiration für spannende Fragen dienen, welche man Spendenorganisationen stellen kann und wie man Anreize dafür schafft, dass diese auch aussagekräftig und öffentlich zugänglich beantwortet werden.

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